Geschichten

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Der Lavati Käfer
von Heiko Sommer

„Da vorne ist einer, los lauf schneller, sonst entkommt er uns!“ Sie liefen immer schneller durch den dichten Regenwald. „Hier sind wieder blaue Flecken auf den Blättern!“ Sie rannten und rannten bis sie an eine Lichtung kamen. „Das könnte eine Falle sein! Wir sollten die Lichtung umgehen!“ „Und wenn genau das die Falle ist? Du weißt genau, dass diese Lavati Käfer in freier Wildbahn ungeheuer schlau und einfallsreich sind. Wir jagen hier schließlich die letzten beiden frei lebenden der Welt, die nicht umsonst die letzten beiden sind!“ „Ja, ja du bist und bleibst ein kleiner Hosenscheißer.“ Er ging zwei Schritte auf die Lichtung zu und verschwand in einer tiefen Grube. Der andere lachte und wiederholte: „Hosenscheißer...“ , ging einen Schritt nach rechts und verschwand ebenfalls in einer Grube. „Ha, ha“ hörten sie ein hämisches Lachen. Ein Käfer trat an den Rand einer Grube heran uns sagte: „ Wir wollen einfach nur in Frieden leben, aber ihr Menschen habt schon fast unsere ganze Rasse ermordet nur um an die blaue Flüssigkeit zu kommen, ihr seit doch total wahnsinnig!“
Vor einigen Jahren gab es in einer kleinen Stadt in Europa einen Bauern, der seine Frau zwar liebte, aber ihrem Gestank einfach nicht mehr ertragen konnte. Sie war wunderschön mit langen schwarzen Haaren und üppiger Figur. Die Menschen der kleinen Stadt mieden sie, weil sie stank wie die Klärgrube hinter ihrem Haus. Als sie ihren Mann kennen lernte, roch sie wie der Frühling, was sich aber mit den Jahren veränderte. So baute der Mann in seiner Scheune ein Labor, um etwas zu erfinden, was seiner Frau helfen könnte. Er mischte Rosen und Alkohol, Wasser und Fett und viele andere lustige Kreationen, die aber nicht halfen. Mit den Jahren roch seine Frau immer stärker und er konnte es einfach nicht mehr aushalten. So beschloss er nach Indien zu reisen, um ein Mittel für seine Frau zu finden.
Im Hafen lag die `Albatross` vor Anker, die ihn dorthin bringen sollte. „Ihr Name bitte!“ sagte ein Matrose und er antwortete: „Dieter, Dieter Albrecht.“ „Von dir habe ich schon gehört! Du bist der Typ mit der stinkenden Frau!“ Dieter bekam einen roten Kopf und ging an dem Matrosen vorbei. Er bekam eine Kajüte zugewiesen, in der noch drei andere Passagiere untergebracht waren. Allen war die Situation unangenehm, so eng zusammen für die nächsten drei Wochen zu sein. „Warum fährst du mit?“ fragte einer, der aussah wie ein Verbrecher. Sein Körper war total mit schlecht gemachten Tattoos übersäht und sein Mund ähnelte einer Kraterlandschaft. „Weil ich etwas suche, damit die Menschen besser riechen!“ „Und warum fährst du mit?“ „Ich bin aus dem Knast abgehauen....!“ „Ach so...“ sagte Dieter mit einer abwinkenden Handbewegung. So vergingen die Tage und Dieter und der Verbrecher freundeten sich an. Auf einmal hörten sie( sie spielten gerade im Musikraum des Schiffes auf Violinen) die Alarmglocke. „ Alle an Deck!“ schrie der Kapitän! „Nehmt euch Waffen und verteidigt das Schiff!“ Dann stieg ihnen ein Duft in die Nase und keiner auf dem Schiff konnte sich noch bewegen. „Entert, das Schiff“ hörten sie eine Stimme, die dem Gesang von Modern Talking ähnelte. Das Schiff hieß ` Lady Black` und als die Männer das sahen, drehten sie durch. Einige fielen sofort in Ohnmacht und andere rissen sich die Kleider vom Leib. „Das sind die Black Ladys!“ schrie der Kapitän. „Dem Himmel sei dank, das erste mal nach dreißig Jahren... Dem Himmel sei dank!“ Sie schmissen ihre Tampen herüber und die Männer beeilten sich, sie an der ` Albatross` fest zu machen. Es roch auf der Lady Black so gut, dass Dieter vor Begeisterung fast vom Deck fiel. Dann sah er einen Pool, in dem dampfendes, blaues Wasser war, in dem nackte Frauen badeten. „ Die Lady Black ist das erste Puffschiff des Atlantiks.“ flüsterte sein Freund ihm ins Ohr. „Wer einmal in den Genuss des Schiffes gekommen ist, wird das mit Sicherheit nie mehr vergessen. Ich selbst habe schon viele Geschichten gehört, aber keiner den ich kenne, hat es jemals persönlich gesehen.“ „ Was ist das für ein guter Geruch?“ fragte Dieter seinen Kumpel, der aber schon auf den Weg zur Lady Black war. Alle Matrosen liefen rüber und ergaben sich ihrer Lust. Sie trieben es kreuz und quer, jeder mit jedem und alle versanken in tiefster Ekstase. Außer Dieter, der zum Pool ging und am blauen Wasser, dass mit Spermaflocken voll war, roch. Eine Nutte kam zu ihm herüber und streichelte seine Oberschenkel. „Lass das, du verdammte Schlampe! Ich bin nur an dem Geruch von dieser blauen Flüssigkeit interessiert. Wie kommt ihr an diesen tollen Geruch? Ich würde euch sehr gerne etwas davon abkaufen.“ „ Ich kann dir erst etwas verkaufen, wenn du mit mir gefickt hast. Also, halt die Schnauze und komm mit mir mit!“ Sie nahm seine Hand und zog ihn in die Pantry. Sie setzte sich auf eine Arbeitsplatte und rieb an ihrem Körper, um Dieter heiß zu machen. Aber bei ihm rührte sich nichts. Er fing an zu heulen und sagte: „Ich kann nicht, ich muss immer an den Gestank meiner Frau denken!“ Dieter fiel auf die Knie: „Bitte verrate mir das Geheimnis dieser blauen Flüssigkeit!“ „Na gut, aber erst musst du meine Muschi lecken!“ Er fing an zu lecken und nach kurzer Zeit merkte er, dass seine Zunge blau wurde. Alles wurde blau. Seine Kleider, seine Füße und die Planken des Schiffes. Dieter formte seine Hände zu einem Gefäß und fing das wohlriechende blaue Sekret auf. Er ging einen Schritt zurück, als seine Hände nichts mehr fassen konnten. Er sagte: „ Ich brauch mehr davon!!!“ Die Nutte sah ihn von oben herab an und sagte: „Dann musst du uns Lavati Käfer besorgen, die sind nämlich unsere Lieblingsspeise.“ „ Das werde ich, wenn ihr mir sagt, wie?“ In diesem Moment ertönten Schreie und fast die ganze Crew wurde getötet. Nur Dieter und sein zahnloser Freund, der auch einen blauen Mund hatte, blieben am Leben. Die Frauen setzten sich in den Pool und wuschen sich gründlich. „ Wir haben ein Problem!“ meldete sich mit Abstand die schönste Frau. „ Wir brauchen diese Lavati Käfer, um zu überleben. Besorgt sie uns und ihr bekommt dafür die blaue Flüssigkeit.“ „ Ja!!“ rief Dieter. „Aber wie?“ „Wir bringen euch dahin, wo sie leben. Ihr müsst sie für uns fangen damit wir sie essen können.“ „Okay!“ sagte Dieter und sie fuhren dem Sonnenaufgang entgegen. An der Küsste Indiens legten sei an. „Wie heißt du eigentlich?“ fragte Dieter seinen Freund. „ Snake Pliskin, aber du darfst mich Snake nennen.“ Sie bekamen Waffen und Fangnetze und gingen in den Dschungel. Sie fingen zwei Jahre die Käfer bis ihre Vorratskammern voll mit der blauen wohlriechenden Flüssigkeit und kaum noch Käfer übrig waren. „Jetzt sind nur noch zwei übrig, Snake, die werden wir fangen und züchten und damit in Europa eine goldene Nase verdienen.“ „Worauf warten wir denn noch?“ Sie gingen also los, um die letzten beiden Lavati Käfer zu fangen...
„Snake, hast du einen Plan, wie wir wieder aus diesen Löchern rauskommen?“ „Na logisch!“ antwortete er vom Grubenrand in dem Dieter saß. „Wie hast du das gemacht?“ „Ich habe meinen Klappspaten benutzt, du Depp. Das solltest du auch mal versuchen oder warst du nicht bei der Bundeswehr? Die einzige Übung über neun Monate ist dort: `Wie komme ich aus einem Loch...?!` Praktisch in vielen Situationen.“ Sie schaufelten sich frei und machten sich wieder auf die Suche. Einige Stunden kämpften sie sich durch den Regenwald. „Da, wieder blaue Flecken...!“ Die Spur führte sie in eine alte Ruine, die voll mit Affen war. Auf dem Boden der Ruine lagen faustgroße Diamanten und die Lavatikäfer riefen. „Wir werden euch alle Diamanten geben, wenn ihr uns am Leben lasst.“ Als Snake das hörte, rannte er auf die Diamanten zu. Wie aus dem Nichts kam ein Affe angesprungen und fraß ihn auf, bis auf die Knochen. „Das war ein Scherz...!“ rief der Käfer lachend. Dieter hatte große Angst, drehte sich um und begann zu rennen. Er rannte den ganzen Weg, den sie gekommen waren, zurück durch den Dschungel. Er räumte seine Lager leer und rannte zum Schiff. „Wir müssen hier weg! Ich werde verfolgt von den letzten Lavati Käfern der Erde!“ Die Nutten sahen sich an und beschlossen, ihn in seine Heimat zu bringen. Sie segelten einige Tage bis ein anderes Schiff in Sicht war. „Oh Gott, das sind die Black Ladys!“ schrieen die Seemänner des anderen Schiffes. Eine komische Stimmung war auf der `Lady Black`, denn die Ladys rieben sich zwischen den Beinen und machten den Pool voll. Dieter kannte das zwar schon, aber dieses Mal war es anders. „Wenn du am Leben bleiben willst, solltest du in deine Kajüte gehen und dich einschließen, denn heute werden wir uns verwandeln!“ Ohne länger über die Worte nachzudenken, rannte er in seine Kajüte, die ihm sicher erschien und schloss sich ein. Er hörte nur Geräusche, die durch Schmerzen hervorgerufen wurden. Schüsse fielen, aber er wusste, dass die Nutten keine Gewehre hatten, dann wurde es still.
Er schloss die Tür auf und ging an Deck. Was er da sah, trieb ihm die Tränen in die Augen. Das andere Schiff war ein amerikanischer Zerstörer und war auf den Angriff der Black Ladys vorbereitet. Alle waren tot. „Dieter...!“ krächste eine Stimme. „Dieter, komm zu mir, ich muss dir noch etwas geben, bevor ich sterbe.“ Dieter kannte diese Stimme gut und ging ihr nach. Es war die Chefin der Ladys, die einen Schlüssel in der Hand hielt. „Das ist der Schlüssel für unsere Vorratskammer, du sollst ihn haben. Ich wünsche dir alles Gute und... finde dein Glück.“ Dann starb sie. In der Kammer waren nicht nur alle Lavatisekretflaschen sondern auch Gold und andere Schätze, die die Nutten all die Jahre geplündert hatten. Er räumte alles auf den Zerstörer, denn er war so voller Technik, dass er ihn alleine fahren konnte. Er fuhr ohne Zwischenfälle nach Holland, wo er sich`s in einem Koffeeschop gut gehen ließ. Seine Geschichte glaubte ihm aber keiner und so beschloss er, nach Hause zu seiner Frau zu fahren. Sie freute sich wahnsinnig, ihren geliebten Mann wieder zu sehen. Aber er gab ihr nur ein Fläschchen und sagte: „Badewanne!!!“ Sie verstand sofort und ging baden. Als sie fertig war, roch sie wunderbar. Sie liebten sich die ganze Nacht und immer wenn es auch nur ein bisschen roch, gingen sie in die Badewanne. Eines Tages kam Dieters Bruder zu Besuch und sagte: „ Wir werden das Zeug als Badeschaum verkaufen und nennen es `Lavati Schaumbad`!“ Das machten sie auch und wurden dadurch die reichsten Männer Deutschlands.

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Hannes der Buntspecht
Von Heiko Sommer


Das Klopfen, dass er von Weitem hörte, beruhigte ihn. `Ein schöner Rhythmus´ dachte er, als er Hunger bekam. „ Mutti, Mutti !“ piepste er, aber seine Mutter hörte ihn nicht. So schlief er unter diesem Getrommel wieder ein. „Hannes wach auf“ hörte er und freute sich, dass seine Mutter wieder da war. „Hier mein Sohn, ich habe dir etwas zu Essen mitgebracht.“ Er freute sich so doll, dass er aus seinem Nest gefallen wäre, wenn sein Vater ihn nicht festgehalten hätte. „Hier Junge, iss das, es sind viele Kohlehydrate und `ne Menge Eiweiß in dieser Nahrung!“ Hannes freute sich, dass alle wieder zu Hause waren und fraß alles auf. „Sagt mal, habt ihr auch dieses Trommeln gehört? Das gefällt mir so gut, ich hätte auch gerne eine Trommel!“ Die Mutter und der Vater sahen sich an und schüttelten den Kopf. „ Du wirst noch früh genug trommeln, mein Sohn“ sagte der Vater und flog davon. Nach einiger Zeit ging das Trommeln wieder los und Hannes schlief satt und entspannt ein. „Hannes wach auf“ hörte er wieder seine Mutter rufen. „Wach auf mein Junge, es gibt wieder essen!“ „Im Wachstum hat man immer Hunger.“ brummte der Vater und Hannes aß wieder alles auf. „Warum muss ich eigentlich immer Würmer fressen?“ fragte er mit halb vollem Schnabel. „Damit deine Federn, deine Beinchen und dein Schnabel schön wachsen können.“ Federn und Beinchen waren ihm klar. Aber der Schnabel? „Warum der Schnabel?“ fragte er neugierig. „Damit du mal so aussiehst wie wir.“ sagte der Vater. Damit war Hannes zufrieden und kuschelte sich an seine Eltern ran. „Hannes wach auf“ weckte ihn seine Mutter und Hannes dachte nur ´Nee, nicht schon wieder Würmer!´ „Kann ich nicht irgend etwas anderes essen?“ Der Vater baute sich vor ihm auf und sagte: „Solange du deine Beine in unserem Nest hast, isst du, was wir dir in deinen Schnabel stecken! Immer diese Fragen...“ brummte er. „Das haben wir jetzt von deiner antiautoritären Erziehung“ murmelte er und flog wieder davon. „ Was möchtest du denn lieber essen“ fragte die Mutter und Hannes sah sich um. „Na, na vielleicht ein paar Blätter?“ Die Mutter schüttelte den Kopf und sagte: „Die Blätter sind für die Vegetarier in diesem Wald und wenn du jetzt anfangen würdest, ihnen die Blätter weg zu essen, würdest du ihnen die Lebensgrundlage entziehen. Alles würde aus dem Gleichgewicht geraten. Willst du das?“ Hannes schaute seine Mutter an und verstand kein Wort, von dem was sie sagte. „Ach so.“ murmelte er und drehte sich um, um mit einem Tannenzapfen zu spielen.
So vergingen die Tage und Hannes wurde immer größer. Sein Vater, der jetzt täglich Hannes´ Schnabel begutachtete sagte: „ Jetzt dauert es nicht mehr lange, mein Sohn. In zwei oder drei Tagen ist dein Federkleid dicht, deine Beine stark, und dein Schnabel hart genug, um das Nest zu verlassen.“ „ Wie, das Nest verlassen?“ fragte Hannes nach. Seine Mutter schob den Alten zur Seite und sagte „Ich werde dem Jungen erzählen, wie es für einen Buntspecht ist, in dieser Welt zu leben. Also mach dich vom Acker, du alter Gnutterkopp!“
Er flog mit einem Kopfschütteln davon. „ Komm, mein lieber Hannes, ich muss dir etwas zeigen.“ Hannes folgte ihr, wie es sich für einen gut erzogenen Specht gehört. „Hast du dich eigentlich nie gefragt,“ fing die Mutter an zu reden „wofür diese Kiste hier ist?“ „Nöö.“ antwortete Hannes. Die Mutter öffnete die Kiste, die mit einem Schloss versehen war, und sagte: „ Hier findest du Medizin gegen deine Kopfschmerzen.“ „ Kopfschmerzen? Wieso denn Kopfschmerzen?“ wiederholte er. „ Das wirst du schon noch feststellen, denn das ist unsere Bestimmung.“ Hannes dachte nach und verstand kein Wort von dem was seine Mutter ihm sagte. „Ab morgen bist du mit der Futtersuche auf dich allein gestellt. Du solltest morgens eine, mittags eine, und abends brauchst du bestimmt zwei von denen hier.“
„Aber wieso denn? Das Futter wird einem doch gebracht und meinem Kopf geht es auch nicht schlecht.“ „Na ja,“ sagte die Mutter. „du wirst schon sehen.“ „Komm jetzt, schlaf ein wenig, du wirst morgen viel Kraft brauchen.“ Dieses Gespräch bewegte ihn noch eine ganze Weile. Irgendwann schlief er aber ein und träumte von seinem ersten Flug über die Baumkronen des Waldes.
„Guten Morgen!„ wurde er unsanft geweckt von seinem Vater. „Guten Morgen.“ antwortete Hannes. „Ich habe Hunger.“ sagte er und sein Vater sah ihn mit großen Augen an. „Dann nimm schnell eine Tablette und komm! Wir werden schon etwas finden.“ Dann flogen sie los. Hannes, der noch nie in seinem Leben geflogen ist, war total begeistert von der Schönheit des Waldes. Dass es diese vielen Tiere, die er nur aus Geschichten kannte, wirklich gab, konnte er kaum glauben. Er trällerte ein Lied und flog seinem Vater hinterher. An einem Baum machten sie Halt und sein Vater sagte: „Na los, du musst mit deinem Schnabel so doll auf die Rinde hauen, dass du an die vielen leckeren Insekten kommst.“ Sein Vater fing an zu klopfen und Hannes erkannte den Rhythmus wieder, den er als Baby immer hörte. Er wollte das auch mal probieren und haute mit aller Kraft zu. „ Aua“ schrie er „das tut weh!“ „ Wenn du etwas essen willst, musst du das so wie ich machen.“ Sagte der Vater. Hannes probierte es gleich noch einmal. „Aua!“ schrie er. „Welche anderen Möglichkeiten habe ich noch, an essen zu kommen?!“ „Keine“ sagte der Vater und verzog bei jeden Schlag das Gesicht vor Schmerzen. „Aber du kannst ja versuchen, anders satt zu werden, du Klugscheißer! Heute Abend, wenn es dunkel wird, kannst du ja wieder zum Nest kommen.“ Hannes nickte und flog los. Er flog über dem Wald hinweg und kam an einen Fluss. Dort beobachtete er ein Reh beim Wasser trinken. Einige seltsame Wesen bewegten sich im Wasser und Hannes fand es eklig, etwas zu trinken, indem andere leben. Er rief: „ Hey Reh, das kann doch nicht gesund sein, was du da machst!“ Das Reh schaute hoch und sagte: „ Du musst deinen Schnabel aufreißen, Mann! Wie geht es deinen Kopfschmerzen?“ Hannes verstand erst nicht, was das Reh damit sagen wollte und fragte sich, ob es ihn und seine Mutter belauscht hatte. „Sag mal Reh, was isst du denn so, um deinen Hunger zu stillen?“ Das Reh lachte und sagte: „ Blätter natürlich, aber nur die jungen.“ „Ach so!“ rief Hannes und flog davon. An einem kleinem Baum machte er Halt und versuchte, ein Blatt zu essen. Er musste aber leider feststellen, dass er die Blätter nicht zerkleinern konnte. Er probierte und probierte bis zum Mittag, ein Blatt zu essen. Er hatte noch nie in seinem Leben so einen großen Hunger und beschloss es seinem Vater gleich zu machen. „Ach diese Kinder...“ sagte der Vater, der die kläglichen Versuche seines Sohnes hörte. Abends traf sich die Familie Specht im Nest wieder. Hannes hatte einen blutigen Schnabel und er weinte. „ Das ist doch Scheiße!“ schrie er seine Eltern an. „Solche Schmerzen wegen einem Wurm?!“ An diesem Abend nahm er zwei Tabletten und viel total erschöpft ins Bett.
Am nächsten Morgen machte er seine Augen auf und sah ein Schälchen mit Maden, die seine Eltern extra für ihn gesucht hatten. Die halbe Nacht waren sie unterwegs, um diese Schale zu füllen. „Soll das für mich sein?“ fragte er. Die Mutter nickte und nahm eine Tablette. „Das kann ich nicht annehmen.“ Obwohl er großen Hunger hatte schob er die Schale zu seiner Mutter und sagte: „Iss du!“ Aber die Mutter lächelte und meinte nur: „Das kannste ruhig essen, mein lieber Sohn.“ Dann ging sie schlafen. Hannes der einen Riesenhunger hatte, aß nur die Hälfte und flog wieder in den Wald hinaus. An diesem Tag traf er einen Biber am Fluss. Der Biber merkte, dass er beobachtet wurde und schrie: „Hau ab, du oller Specht! Ich hab schlechte Laune, weil ich die ganze Nacht kein Auge zu gemacht habe. Euer scheiß Geklopfe geht mir tierisch auf ´n Sack.“ „Ich kann nichts dafür.“ sagte Hannes. „Ich hatte Hunger und meine Eltern haben mir etwas zu Essen besorgt.“ „Warum hattest du Hunger?“ fragte der Biber. „Weil ich gestern nichts essen konnte, die Rinde ist zu...“ Hannes dachte nach und sagte: „Hey Biber!“ Der Biber bekam einen Schreck. „Mensch Biber, ich habe eine tolle Idee. Du fällst die Bäume und machst die Rinde ab und wir hören auf Lärm zu machen. Zusätzlich bezahlen wir dich mit Kopfschmerztabletten.“ Der Biber überlegte eine Weile und fragte: „Woher weißt du, dass ich Kopfschmerzen habe? Na gut, wir versuchen das mal.“ Von diesem Tag an hörte das Klopfen auf und alle lebten glücklich bis an ihr Lebensende.

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Hinsetzen, Pernod, Leere
Von Heiko Sommer

Manche finden erst im Alter ihre Bestimmung. Erst dann haben sie es geschafft.
Glücklich und erfüllt sterben können, ist das nicht was alle wollen?

„Ich habe dir doch extra das Schachspiel gebaut und jetzt sitzt du nur so vor mir rum und wackelst mit dem Schwanz. Los zieh, unter den Figuren sind doch Leckerchen für dich.“ Aber er schaute mich nur grinsend an und brachte seine Freude mit einem –Wuff- zum Ausdruck.
`Ein Border Collie ist ein Hütehund. Er will geistig bewegt werden. Warum setzt er nicht? Vielleicht will er etwas anderes spielen?`
„Willst du was anderes spielen?“ fragte ich ihn entrüstet. Er rannte sofort auf den Flur und legte sich Schwanz wedelnd vor unseren Vorratsschrank. `Watt soll datt schon wieder` dachte ich und schüttelte verständnislos den Kopf. „So, du willst also was anderes machen.“ Totterte ich auf dem weg zum Schrank. Da fiel mir schlagartig das Gras ein, das ich noch von meinem spanischen Kumpel hatte.
„Meinst du vielleicht das?“ hielt ich ihm das kleine Tütchen unter die Nase.
` Ja und jetzt Lob mich` verriet mir seine Gestik.
`Das muss wohl von dem Bongwasser kommen das er als Welpe so gerne trank.` dachte ich mir.
Bing, Bong.... die Türklingel.
`GEZ Scheiße bloß nicht aufmachen, leise sein und ruhig bleiben` war das erste was mir durch den Kopf schoss. Die Dielen meiner ein Zimmer Altbauwohnung protestierten mit einem Krrrrrie. „Ich habe sie gehört“ rief eine Tiefe Stimme. Der Hund fing an zu Bellen. „ Wenn sie heute wieder nicht aufmachen komme ich morgen mit der Polizei wieder! Das wird dann richtig teuer!“
„Halt die Schnauze!“ halte es über den Flur. ! `Der Assi von oben.` „Ach Herr Trinkmann...! Schön das ich sie treffe“ sagte der Geldeintreiber beim hoch laufen. „GEZ darf ich reinkommen?“ hörte ich die Stimme verschwinden. Ab jetzt hörte man nur noch Herrn Trinkmann. „Für was denn? Haben sie in der letzten Zeit mal die Glotze angemacht? Da kommt doch nur Scheiße und dafür soll ich Geld bezahlen? Hau bloß ab sonnst vergess ich mich noch.“ Die Tür ging auf und das stolpern der Schritte verriet mir, das beim gehen nachgeholfen wurde. „Wenn du wieder kommst kannst du schon mal deinen Sag bestellen, du Pfeife.“ Brüllte Herr Trinkmann noch vom Balkon.
`Scheiß Job` dachte ich schadenfroh.
„Was ist denn los?“ rief jemand von der anderen Straßenseite aus einem Fenster. „Für alles solln wir bezahlen. GEZ diese Schmarotzer. Dem hab ich es aber gegeben.“ schrie er siegessicher. „Kommst du mit in die Kneipe?“ rief der Mann von gegenüber. „ Ich lade dich auf ein Bierchen ein wenn du willst.“
„Ich kann mich noch an das letzte erinnern das du mir ausgeben wolltest du Arsch. Zwei Stunden musste ich mit den Bullen labern weil du die Zeche geprellt hast, wegen nem Einsatz im Krankenhaus. Das passiert mir bestimmt nie wieder. Du bist genau so ein Wegelagerer wie der GEZ Wixer!“ Dann knallte die Balkontür von meinem Nachbarn über mir zu. Total überrascht schloss auch ich meine Fenster und setzte mich in die Küche um Zeitung zu lesen.
„Drogenhund gesucht! Guter Hund verdient 5000Euro im Monat.“ Ohne zu überlegen griff ich nach dem Telefon und wählte die Nummer.
„Trinkmann...?“
Ja, Tach mein Name ist Sommer und ich habe den Hund den Sie brauchen. „meinen sie den der trotz Hüftdysplasie durch die Sahara rennen kann ohne zu trinken?“ Ich erschrak . „Wie war ihr Name noch mal?“ fragte ich zögerlich nach. „Trinkmann und wenn sie der Sommer von unten sind dann sollten sie es lieber lassen auf uminöse Zeitungsannoncen hereinzufallen.“
Ohne auch nur ein Wort zu sagen legte ich auf.
Bing, bong... die Türklingel!
„Sind sie da Herr Sommer?“ Es war nicht die Stimme vom Trinkmann, dessen war ich mir sicher. Ich schlich zum Türspion.
Der Freak von gegenüber. „Bitte machen sie auf“ flüstere er und hielt seine Dienstmarke vor den Sehschlitz. Aus Angst öffnete ich.
„Danke das sie aufmachen“ sagte er leise. Wir sind vom Sondereinsatzkommando der Polizei und versuchen schon seit mehreren Tagen an sie heran zu kommen. „Der GEZ Wixer“ dachte ich sofort. „Es geht um Herrn Trinkmann der auch Müller und Butschinskie heißt. Wir jagen ihn schon seit zwei Jahren weil er Anzeigen schaltet und die Tiere ins Ausland verkauft. „Dieser Sack!“ sagte ich empört. „Haben sie etwas davon mitbekommen?“ „ Nöö...“ schüttelt ich den Kopf. „Gut dann erschrecken sie nicht wir stürmen jetzt.“ Zwanzig oder mehr, bis zu den Zähnen bewaffnete Polizisten, rannten auf einmal an meiner Tür vorbei. „Machen sie die Tür auf Polizei!“ ein Schuss fiel und dem folgten einige. Dann war ruhe. Einer kam kopfschüttelnd die Treppe runter. „Naja,“ sagte der Beamte von gegenüber. „Besser so als anders. Dann ist der wohl hin. Das war eh ein Schwein. Einer der Tiere verkauft hat auf dieser Welt eh nichts zu suchen.“ Nickend schob ich den Beamten aus meiner Wohnung und schloss die Tür.

Was dann geschah lässt sich in drei Worten sagen: Hinsetzen, Pernod, Leere...

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Polizeikontrolle
Von Heiko Sommer




Wir fuhren das Kopfsteinpflaster langsam um die Kurve, als Ronny schließlich etwas brüllte. Er machte die `Fucking Faces` leiser und alle protestierten, denn jeder im Auto hatte Bock auf laute Punkmusik. „Die Bullen!“ rief er beim leiser machen. „Seid ihr angeschnallt?“ Totale Panik brach aus. Rocko und Schorsch merkten erst jetzt, dass die Filmdose zu voll war und entledigten sich des Inhaltes unauffällig durch das Fenster. Ronny und ich schauten die beiden böse an, aber sagten kein Wort. Jeder überprüfte den Sitz seines Gurtes. Schorsch bekam einen roten Kopf, als er die weiß- rote Kelle sah. Wir fuhren -natürlich nur wegen der Provokation- an ihr vorbei und hielten nach ungefähr fünf Metern an. Ronny kurbelte die Scheibe runter, legte seinen Arm ganz locker auf die Tür und wartete mit einem zufriedenen Lächeln auf den Beamten.
„Haben sie die Kelle nicht gesehen?“ fragte er total gestresst (ein Kleinstadtbulle eben).
„Sind sie Koch oder Polizist?!“ fragte Ronny. Der Polizist ignorierte die Frage sehr gekonnt und fing wieder an: „Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!“ „Wenn Sie bitte sagen, müssen Sie uns ihre Papiere auch zeigen!“ rief Rocko vom Rücksitz des alten Passat Kombi.
Jetzt wurde der Polizist ungeduldig und sagte immer noch freundlich aber bestimmt: „Aussteigen, bitte!“ und nickte seiner Kollegin zu. „Wenn Sie uns das Geld dafür geben, sind wir sofort weg. Ehrlich, Herr Unteroffizier, das dauert keine zwei Tage.“ sagte ich und musste mir das Lachen verkneifen. „Jetzt raus aus dem Auto und Hände aufs Dach!!!“ rastete seine Kollegin aus. „Immer ruhig mit den jungen Pferden...“ sagte ich und öffnete langsam die Tür.
„Was denn für Pferde?“ fragte Rocko und Schorsch antwortete kopfschüttelnd: „Na die von seinem Onkel Peter.“ „Ruhig! Jetzt haltet die Schnauzen!“ schrie die Polizistin und ihr Kollege beruhigte sie mit einem strafenden Blick. „Die ist aber aufgeregt.“ sagte Ronny und schaute sie fragend an. „Könnte ich vielleicht ihren Namen und ihre Dienstnummer haben? Nur so...für mich- man weiß ja nie.“ Die Polizistin schaute verstört. „Sammelst du immer noch Dienstnummern?“ fragte ich ihn und grinste. Die Polizistin wurde rot vor Wut.
„Das sind doch nur Worte...“ wollte ich sie noch beschwichtigen, aber es war zu spät. Sie fing an zu weinen. „Das wollte ich aber wirklich nicht.“ sagte ich und legte aus Mitleid die Hände aufs Dach. Die anderen taten es mir gleich, denn auch sie konnten keine Frauen weinen sehen.
„Komm schon, taste mich ab!“ sagte Schorsch zum Polizisten. „Das mache ich auch, da wirst du dich noch wundern, aber nicht heute...! Jetzt steigt schon ein und haut ab!“

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Zuletzt aktualisiert:
Mittwoch, 25. Januar 2012, 10:14 PM

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